24 Okt 2018

Wenn beim Drehort eines Films gemogelt wird

Bei der Auswahl eines Drehorts für einen Film oder Werbespot sind viele Faktoren in Betracht zu ziehen. Nicht immer eignet sich der Ort, in dem eine Geschichte spielt, am besten. Kostenaufwand, die Nähe zu den Innendrehs, Umkompliziertheit beim Transport und andere Logistikangelegenheiten sind oft entscheidend. Nicht zu vergessen, dass es von großer Bedeutung ist, welche Bilder sich die Zielgruppe erwartet.

Aus diesem Grund besteht die Geschichte des Kinos, auch in Italien, aus „gefälschten“ Originalschauplätzen. Es folgen drei Beispiele, jedes für sich von symbolischem Charakter.

 

Vitelloni (Die Müßiggänger) – 1953

Federico Fellini kam aus Rimini, einer Stadt aus der er einst floh und in die er stets mittels seiner Filme zurückkehrte. Aber Rimini war nie Drehort seiner Filme.
So erzählt Vitelloni von vier Tagträumern in Rimini und doch wurde keine einzige Szene in der romagnolischen Stadt gedreht.

Drehort aller Szenen im Stadtzentrum war Viterbo, die Küstenaufnahmen fanden in Ostia statt, während Albertos Wohnung sich in Wirklichkeit in Rom befindet.

 

Viel Lärm um nichts (Much Ado about Nothing) – 1993

 

“I learn in this letter that Don Peter of Arragon
comes this night to Messina.”

 

Von Anfang an weiß man in Shakespeares Komödie, wo man sich befindet, was ebenso für den gleichnamigen Film von Kenneth Branagh gilt. Don Pedro von Aragon kommt nach Messina zum Landgut des Signor Leonatos.

Doch ab der ersten Szene ist das Auge des italienischen Zuschauers irritiert: die Landschaft scheint trotz aller berechtigter Zweifel in der Toskana zu liegen. Und tatsächlich wurde Viel Lärm um nichts auf dem Landgut Vignamaggio nahe Greve in Chianti bei Florenz gedreht.

Über die Beweggründe von Branaghs Entscheidung kann man nur spekulieren: es ist nicht auszuschließen, dass das internationale Publikum auf Anhieb ein italienisches Ambiente erkennen sollte, wofür sich die weltberühmte ländliche Toskana natürlich am besten eignete.

 

Der Tag des Falken (Ladyhawke) – 1985

Noch kurioser geht es in Der Tag des Falken zu, einem Fantasyfilm, der sowohl in realer Epoche als auch Umgebung spielt.

Der mittelalterliche Kontext wird hervorgehoben durch die Szenen, die zwischen Alpen und Apennin, in vielen historischen Ortschaften der Lombardei, der Emilia Romagna, der Toskana und der Abruzzen gedreht wurden. Die Stimmung ist düster, Nebelschwaden und die dicken Kleider der Charaktere suggerieren dem italienischen Publikum stets eine nordische Welt wie Großbritannien oder Nordfrankreich.

Dass die italienische Heimat nicht sofort als Drehort erkannt wird, ist auch den Entscheidungen der Synchronsprecher geschuldet. Während in der italienischen Fassung die Stadt, aus der Gaston flieht (welcher von Navarre gerettet wird) Aguilon genannt wird, ist es im Original klar und deutlich Aquila.

Ein Fall also, in dem ein nahezu realer Ort (die Sets waren tatsächlich viele verschiedene über ganz Italien verteilt) durch die italienische Übersetzung verfälscht wird.

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