05 Nov 2018

Spaghetti und Lebensmittelfotografie: ein Kapitel für sich

Spaghetti sind wohl die bekannteste Nudelsorte im italienischen und internationalen Kino. Aus aufnahmetechnischer Sicht sind sie womöglich das komplizierteste Format, wenn es um einen appetitlichen Anblick gehen soll.

Für uns, die wir in Österreich arbeiten, aber doch Italiener sind, ist es natürlich unübersehbar, wenn ein Stück Heimat auf der großen Leinwand repräsentiert wird. Wenn man dann noch vom Fach ist, denkt man automatisch über seine Bedeutung und die Art und Weise nach, in der es dargestellt wird.

Zweifelsfrei sind Spaghetti ein schwierig aufzunehmendes Gericht: lange Fäden, ungeordnet, manchmal klebrig, nicht wirklich ein cineastischer Segen der Food Photography. Eine Ausnahme bildet es vielleicht, wenn wie in Susi und Strolch ein prachtvoller Teller Spaghetti mit Fleischklößen gezeichnet wird.

Heutzutage sind wir daran gewöhnt, sie im Film als perfekte Nudelnester zu sehen, mit herrlich grüner, fein gehackter Petersilie beflockt, garniert mit Kirschtomaten, wie man sie röter, saftiger und praller schwer findet. Aber seien wir ehrlich: Bevor der sogenannte Food Porn Einzug hielt, konnte sich wohl niemand diese Meisterwerke der Essensaufnahmen vorstellen und so dienten Spaghetti früher als ein ganz anderes Symbol. Hunger, Fressen wie ein Scheunendrescher, Bodenständigkeit und „Armut“ waren der Kontext, in dem sie auftauchten.

Und wenn wir gerade bei Hunger sind, darf Die verkaufte Unschuld (1954, Originaltitel: Miseria e nobiltà) nicht fehlen. Am Mittagstisch ist es natürlich die übervolle Schüssel Spaghetti in der Mitte, auf die sich die ausgehungerten Tischgenossen stürzen.

 

 

Erinnern wir uns auch an Ein Amerikaner in Rom (1954, Originaltitel: Un americano a Roma), in dem Alberto Sordi seinen Teller Spaghetti „bedroht“, um ihn daraufhin zu verspeisen.

 

 

Etwas weniger bekannt, aber gleichfalls bildhaft ist die Szene aus Das Appartement (1960), in der Jack Lemmon für Shirley MacLaine kocht und die Spaghetti auf einem Tennisschläger abgießt und scherzenderweise die Fleischbällchen per Aufschlag servieren möchte.

 

 

Ein paar Jahre später ist es Francis Ford Coppola, der zwar auf des Zeigen von Clemenzas Nudelsauce verzichtet, mit der Beschreibung des Rezepts dem Zuschauer aber das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt.

 

 

Um nicht mit dem ikonischen Kapitel des Kinoessens zu schließen, werfen wir noch einen kurzen Blick zurück auf die Spaghetti alla puttanesca von Nino Manfredi in Spaghetti House von 1982. Um dem Wurm-Effekt von Spaghetti entgegenzuwirken, zeigt sie der Regisseur bei der Zubereitung in der Pfanne, während der Koch sie zu appetitanregender Erklärung schmackhaft würzt.